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Turnvater Jahn

findur

Das Turnen ist heute eine Weltsportart. Millionen von Kindern und Erwachsenen auf der ganzen Welt bewegen sich Drinnen und Draußen über standarisierte Sportgeräte und befolgen ein strenges Reglement, das ganz viel mit Kraft, Ausdauer und vor allem Disziplin zu tun hat. Selbst die rhythmische Sportgymnastik mit ihren musikalisch-tänzerischen Einflüssen wird dominiert von strengen Vorgaben. Nicht nur die Übungs-Elemente sind exakt beschrieben und unterliegen ganz bestimmten Wertungen auch die Bekleidung ist im Turnen nicht beliebig. Wer heute Spaß am Turnen hat, muss sich damit abfinden, eine gewisse Uniformität in seinem Auftreten hinzunehmen. Aber anders als bei einer Fußballmannschaft, wo alle die gleichen Hosen, Stutzen und Trikots tragen müssen, egal ob einem die Farbe steht oder nicht, kann sich der ambitionierte Turner schon mehr individuell verwirklichen als in einem reinen Mannschafts-Sport. Die Fachgeschäfte, vor allem in den großen Städten, haben eine große Auswahl für Turner vorrätig, aber auch jeder Online-Shop für Turnzubehör bietet individuelle Turnanzüge. Hier kann man in Farbe und Dessins schwelgen, um sich und seinen Typ am Gerät optimal zu präsentieren. Vor etwa 200 Jahren hat man sich darüber noch keine Gedanken gemacht, da waren gerade mal die ersten Übungen erdacht und wurden der Öffentlichkeit vorgestellt. Als Spiritus Rektor des Turnens und der ganzen Turnbewegung gilt ja der preußische Lehrer Friedrich Ludwig Jahn, der im Jahre 1811 in der Berliner Hasenheide den ersten öffentlichen Turnplatz eröffnete. Jahn war ein, für seine Zeit, bemerkenswert fortschrittlicher Pädagoge, der sich nicht nur um die reine geistige Bildung seiner Schüler kümmern wollte. Er wollte die „verloren gegangene Gleichmäßigkeit der menschlichen Bildung wiederherstellen…“ und somit den Jugendlichen in seinem gesamten Menschsein erfassen und fördern. Das ist ein Ansatz, der bis heute Gültigkeit hat. Die Form hat sich natürlich gewandelt. Zu Zeiten von Ludwig Jahn war die sportliche Ertüchtigung nicht nur reiner Selbstzweck, das Turnen zielte letztlich auf die Ertüchtigung von jungen Männern für das Militär, das damals einen viel höheren gesellschaftlichen Stellenwert besaß als heute, wo das Militär fast täglich um seine Berechtigung kämpfen muss. Mit Recht.

Andreas
presse@mettlerweb.de

Author:
findur
Time:
Wednesday, October 21st, 2009 at 10:22
Category:
Sport
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