Wed
12
Aug

Immer noch eine Servicewüste

findur

Wie kommt es eigentlich, dass Deutschland noch immer eine solche Servicewüste ist? Viel ist darüber geredet und geschrieben worden, immer wieder wird diese Tatsache beklagt. Geändert hat sich wenig. Klar ist, dass dieses Problem viel mit unserer Mentalität zu tun hat, mit unserer Einstellung. Service bedeutet übersetzt soviel wie Dienst, und Dienst kommt von dienen. Dienen möchte aber anscheinend niemand, das ist sozial nicht gut angesehen. Wir sind im Gegenteil froh, dass wir anders als unsere Vorfahren nicht mehr bückeln müssen, dass wir – egal, welchen Beruf wir ausüben – unsere Rechte haben, sie auch kennen und darauf beharren. Die Würde des Menschen ist unantastbar, so steht es ganz am Anfang unseres Grundgesetzes. Aber ist es wirklich unter der Würde einer Kassiererin, uns im Supermarkt anzulächeln? Erfordert es die Würde eines Fachverkäufers, schnell in die andere Richtung zu sehen, wenn er einen hilflosen Kunden entdeckt? Ja, als Angestellte erwarten wir, von Kunden nicht belästigt zu werden. Sie sollen froh sein, dass sie bei uns etwas kaufen dürfen. Sind wir selbst in der Kundenrolle, sieht es natürlich anders aus. Da sollen sich die Verkäufer dann freundlich und bemüht geben, schließlich mussten wir für das Geld, das wir ihnen geben, selbst hart arbeiten. Ein klassischer Fall von Doppelmoral. Bei näherem Hinsehen ist es allerdings doch nicht ganz so einfach, liegt das Problem viel tiefer. Denn anders als in anderen Ländern sind es tatsächlich nicht nur die Dienenden, die ein Problem mit dem Service haben. Vielmehr haben wir Deutschen offenbar ein extrem gestörtes Verhältnis zum Dienen an sich – auch dann, wenn andere uns dienen sollen. Wie sonst ist es zu erklären, dass laut einer aktuellen Statistik neunzig Prozent aller Deutschen niemals eine Haushaltshilfe beschäftigen? Oder dass nur sieben Prozent auch nur Interesse äußern, gelegentlich einen Gärtner oder Babysitter zu beschäftigen? Wahrscheinlich läuft alles auf die alte Tatsache hinaus: Man bekommt im Leben, was man erwartet. Bedient zu werden, womöglich sogar noch freundlich und zuvorkommend, erwartet in diesem Land anscheinend kaum jemand.

Andreas
presse@mettlerweb.de

Author:
findur
Time:
Wednesday, August 12th, 2009 at 10:20
Category:
Dienstleistungen
Comments:
You can leave a response, or trackback from your own site.
RSS:
You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed.
Navigation: