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Aug

Hausgemachte Krisen

findur

Dass wir in der größten weltweiten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten stecken, hat sich mittlerweile herumgesprochen – daran ändert auch die Tatsache nichts, dass wenige Wochen vor der Bundestagswahl eine angebliche Erholung der deutschen Wirtschaft durch die Medien geistert, zeitgleich übrigens mit der Insolvenz einer großen Modekette (Escada) und der Zerschlagung des Quelle-Konzerns. Aber wie immer in solchen Zeiten muss die Weltwirtschaft auch als Entschuldigung für das eigene Versagen herhalten, verstecken sich mittelmäßige und schlechte Manager hinter den angeblichen äußeren Einflüssen. Natürlich spielen äußere Einflüsse in der Wirtschaft immer eine Rolle, und die Aufgabe von Managern ist es, auf solche Einflüsse zu reagieren. Gäbe es diese äußeren Veränderungen nicht, bräuchte ein Unternehmen keine Manager – ein einmal etabliertes System würde einfach immer weiter arbeiten und Geld abwerfen. Insofern sind auch in der Weltwirtschaftskrise zwar nicht alle, aber doch sehr viele Unternehmenskrisen hausgemacht. Sehen wir uns doch einmal an, was für Entscheidungen so ein Manager zu treffen hat – und was für Fehler er dabei machen kann. Als Beispiel denken wir uns eine typische Werbeagentur aus, denn Werbung ist für unser Wirtschaftssystem so grundlegend, dass sie eigentlich gerade in der Krise boomen sollte: Ein Unternehmen, das in Schwierigkeiten gerät, ist ja im Grunde gezwungen, seine Werbeanstrengungen erheblich zu vergrößern. Hier haben wir also – auch bei den Werbeagenturen selbst – schon eine mögliche Fehlerquelle: Manch ein schlechter Manager entscheidet jetzt, bei der Eigenwerbung Geld einzusparen. Mit dem Ergebnis, dass wichtige Aufträge, die der Markt noch hergibt, an die Konkurrenz gehen. Nun könnte derselbe Manager das eingesparte Geld für eine Agentursoftware ausgeben. Das wäre, sofern die Agentur noch keine benutzt, eine vernünftige Ausgabe. Denn diese Software für Agenturen bietet viel – sie hilft, Projekte rentabler durchzuführen und durch größere Kundenzufriedenheit Folgeaufträge zu sichern. Wird das Geld stattdessen für das Anwerben hochqualifizierter Experten zu einem überzogenen Gehalt genutzt, weil nach weit verbreiteter Managermentalität nur besonders gut ist, wer auch außergewöhnlich teuer ist, dann ist das eine Katastrophe. Genau so wurden noch vor wenigen Jahren unzählige Unternehmen der New Economy in den Ruin gewirtschaftet. Werden gleichzeitig bei anderen, ohnehin weniger gut bezahlten Angestellten, die vielleicht seit Jahren für die Agentur arbeiten, die Daumenschrauben angesetzt – beispielsweise durch Streichung von Weihnachtsgeld oder strengeres Controlling -, ist auch das schädlich, weil es jene Motivation zerstört, die gerade im Bereich kreativer Tätigkeit unabdingbar ist. Dieses sind alles nur Beispiele, aber leider begegnen sie uns täglich. Gerade deshalb sollten wir auch hinsichtlich des Durchschreitens der Talsohle noch eine Weile skeptisch bleiben. Genau das verkündeten viele nämlich in der letzten Weltwirtschaftskrise auch, schon im Jahre 1930 – und da stand das Schlimmste noch bevor.

Andreas
presse@mettlerweb.de

Author:
findur
Time:
Tuesday, August 18th, 2009 at 14:52
Category:
Allgemein
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