Wed
26
May

Fast jeder bekommt heute Nachhilfe

findur

Warum bekommen eigentlich so viele Schüler in Deutschland Nachhilfe? Manchmal hat man das Gefühl – gerade wenn man vom Fach ist und zum Beispiel als Lehrer mit vielen Schülern ins Gespräch kommt –, dass heutzutage kaum noch ein Schüler den Weg zum Abitur schafft, ohne zwischenzeitlich mindestens einmal für eine Weile zusätzlichen Unterricht – eben Nachhilfeunterricht – zu bekommen. Ist es so, dass die Schüler heue einfach dümmer sind als noch vor einigen Jahrzehnten? Oder was sonst ist der Grund? Die Antwort darauf ist sicher nicht ganz einfach, oder besser gesagt: Es gibt vermutlich nicht einen einzigen Grund, sondern eine ganze Reihe von Gründen für dieses Phänomen. Ganz sicher hat es zu einem guten Teil seine Ursache im Versagen unserer Schulen. Viele unserer Lehrer sind nicht wirklich in der Lage, den Unterrichtsstoff gut zu vermitteln. Und die schlechten Lehrer sind bei weitem nicht immer die Quereinsteiger, sondern oft auch gerade die sogenannten „richtigen“ Lehrer, also die studierten Pädagogen. Der Grund dafür ist vermutlich, dass viele von ihnen im Unterrichten keine Berufung sehen, sondern vielmehr nur eine sichere Beamtenlaufbahn. Allerdings sind nicht immer die Lehrer das Problem – nicht enden wollende Schulexperimente verschlimmbessern die Situation oft, Lehrer werden von ihren Vorgesetzten zu modernen, aber sinnlosen Unterrichtsformen gezwungen. Andererseits ist es durchaus richtig, dass sich viele Schüler heutzutage generell schwerer tun als die Generationen vor ihnen. Die Aufmerksamkeitsspanne heutiger Jugendlicher beispielsweise ist deutlich kürzer. Schuld daran ist nicht zuletzt die ständige Berieselung mit neuen Medien. Wo man im Minutentakt mit wechselnden Freunden chattet, bleibt für das Nachdenken über Rechtschreibung keine Zeit mehr – auch das steckt oft hinter einer sogenannten Lese- und Rechtschreibschwäche. Dann ist es natürlich auch so, dass sich das Ansehen von Nachhilfe geändert hat: Als man noch vom Schüler erwartete, dass er sich aktiv um Erfolge in der Schule bemühte, galt Nachhilfeunterricht vielen als Zeichen persönlichen Versagens. Heute dagegen herrscht auch in diesem Bereich eine Konsumentenhaltung vor: Schafft der Lehrer in der Schule es nicht, ein Kind schlau zu machen, wird eben jemand anders für diese Arbeit bezahlt. Eine Mitverantwortung für den Lernerfolg sehen viele Eltern und Schüler bei sich nicht mehr. Das gestiegene Ansehen des Nachhilfeunterrichts zeigt sich auch daran, dass es immer mehr Unternehmen gibt, die sich auf diesen Markt spezialisiert haben – etwa der Mini-Lernkreis in der Umgebung von Nürnberg. Und je mehr sich solche Institute etablieren, desto mehr steigt umgekehrt wieder das gesellschaftliche Ansehen der Nachhilfe. So sind die Gründe also vielfältig – Tatsache bleibt jedenfalls, dass es heute über die Fähigkeiten eines Schüler kaum noch etwas aussagt, ob er Nachhilfe bekommt.

Andreas
presse@mettlerweb.de

Author:
findur
Time:
Wednesday, May 26th, 2010 at 17:32
Category:
Bildung
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